Beispiele humanistischer Gesprächskreise

Humanismus im Alltag     
Am 28. März diskutierten in Emden die 14 Teilnehmer*innen unter der Leitung von Herbert Zinnow die Fragen: Was verstehe ich unter Humanismus? Was sind für mich wesentliche humanistische Werte? Welche Werte halte ich für mich für besonders wertvoll und erstrebenswert, an denen ich meine Handlungen und Entscheidungen ausrichte?

Sie stellten sich Situationen aus dem eigenen Alltag vor, in denen sie mit Humanistischen Werten, mit ihrem humanistischen Selbstverständnis in Kontakt gekommen sind. Sie hinterfragten, inwieweit ihnen in solchen Situationen das humanistische Weltbild von Nutzen war. Sie überprüften darüber hinaus, ob sie manchmal an die Grenzen der Anwendbarkeit humanistische Werte und Ideen kommen.

Einige Teilnehmer*innen berichteten von Situationen, in denen sie ein Spannungsfeld zwischen selbstbestimmten Handeln, Solidarität und Selbstfürsorge feststellen. Nicht immer gelänge es ihnen, einer bewusst wahrgenommenen Verantwortung gerecht zu werden. Auch wurde eine Diskrepanz zwischen Anspruch wünschenswerten, wertegerechten Handelns einerseits und dem tatsächlichen Handeln andererseits festgestellt.Humanist*innen sind eben (auch nur) Menschen – und das ist gut so!  

Herbert Zinnow

Humanisten philosophieren über Glück
Im Mai startete der Kreisverband die Gesprächsreihe „Humanist*innen philosophieren…“. Unter der Leitung von Meike Warnecke setzten sich 11 Teilnehmer*innen mit der Frage: Was ist Glück?“ auseinander. Zuerst schrieben alle Teilnehmer*innen einen glücklichen Moment ihres Lebens auf einen Zettel, die darauf in einem Glas gesammelt wurden. Am Ende sollte das Glas wieder geöffnet werden.

Sie näherten sich dem Begriff „Glück“ an, indem passende Wörter in Form eines Akchrostichons gesammelt wurden. Ein Achrostichon ist eine besondere Gedichtsform, in der die Anfangsbuchstaben, -silben oder -wörter der Verszeilen oder Strophen ein Wort oder einen Satz ergeben. Die Runde beschäftigte sich dann mit Fragen, wie: Was macht uns glücklich? Lässt sich Glück herstellen? Ist Glück bei allen gleich? Ist gestilltes Verlangen Glück? Kann es Glück nur geben, wenn es auch Unglück gibt? Ist ein Leben ohne Glück denkbar? Ist Glück eine Frage der Vorstellungskraft? Es gab einen lebhaften Austausch, der zum Weiterdenken anregte. Nach interessanten 90 Minuten durfte jeder noch seinen Glücksmoment vorlesen und ging hoffentlich glücklich nach Hause. Die nächste Veranstaltung der Reihe findet am 26. September zum Thema „Zeit“ statt (siehe Seite 37).   

Meike Warnecke, Herbert Zinnow

Bildungs-Ausflüge

Vortrag „Entspannt Euch!“ in Emden
Dr. Michael Schmidt-Salomon referierte im Rahmen der Emder Forschungstage am 25. April 2019 über das Thema seines aktuellen Buches „Entspannt Euch! Eine Philosophie der Gelassenheit“ in Emden.

Gut 25 Humanist*innen aus Ostfriesland und Weser-Ems nahmen diese Gelegenheit wahr, an der Autorenlesung des Philosophen teilzunehmen. Anschließend wurde im Rahmen eines „Nachklapps“ im Grand Café in Emden noch gemeinsam über das Gehörte diskutiert, gemeinsam gegessen und getrunken. Die Teilnehmer empfanden es als einen gelungenen Mix aus Vortrag, Kulinarischem und guter Gesprächskultur. Wir freuend uns auf weitere Bildungsausflüge dieser Art.

Herbert Zinnow

Ausflug zum Schlosspark Lütetsburg

Ausflug zum Schlosspark Lütetsburg
Am Freitag, den 31. Mai machten die Humanist*innen aus Ostfriesland einen Bildungsausflug nach Lütetsburg in die dortige Schloss- und Parkanlage. Es wurden Fahrgemeinschaften angeboten. Die leider nur sieben Teilnehmer*innen, die das von Herbert und Margot Zinnow organisierte Angebot wahrgenommen haben, waren begeistert von der Anlage und den beiden kompetenten Führungen.

Wir besuchten zuerst den Begräbniswald, der von verschiedenen Rundwegen durchzogen einen sehr stimmungsvollen Eindruck machte. Unsere Eindrücke wurden nur durch das, etwas überdimensionierte, Holzkreuz getrübt, das den zentralen Andachtsplatz dominierte. Dies verwunderte umso mehr, als die Zahl der christlichen Bestattungen mit ca. 10 % beziffert wurde.

Die anschließende Führung durch den Schlosspark entschädigte uns aber sofort: Der im englischen Stil gehaltene Garten hat seine Charakteristik seit dem 18. Jahrhundert beibehalten und überrascht nach jeder Wegbiegung mit neuen Impressionen und „Hinguckern“. Nach etwa 2 Stunden waren wir so voll von Eindrücken, dass der Besuch des nahen Cafés uns willkommene Gelegenheit zur Besprechung des Erlebten bot und alle waren sich einig, dass so ein Bildungsausflug zum festen Programm gehören muss.

Detlef Warnecke

110. Bildungs-Wochenende Weser-Ems

Bildungswochenende Weser-Ems

Sinnfindung in der Krise:
Humanismus, Trost Bewältigung

Am Wochenende vom 15.–16. Juni 2019 trafen sich 25 interessierte Laien im Europahaus Aurich, um zu ergründen, wie Menschen mit einer humanistischen, nichtreligiösen Haltung Krisen durchleben und wie eine Unterstützung von außen aussehen kann. Es referierten Christian Lisker, zum Humanismus „bekehrter“ Dipl. Theologe und Seelsorger, Systemischer Therapeut und jetzt Projektleiter Humanistische Feierkultur beim HVD Berlin-Brandenburg, sowie Gita Neumann, Dipl. Psychologin und ehemalige Referentin Lebenshilfe im HVD Berlin-Brandenburg, Medizinethikerin mit Schwerpunkt Humanes Sterben und Suizidhilfe. Ein Ergebnis dieser Bildungsveranstaltung war eine Resolution zur Militärseelsorge.

Mit freundlicher Genehmigung von Gita Neumann veröffentlichen wir hier ihre Grundsatzüberlegungen, die der konkreten Behandlung des Themas vorausgingen:

Menschen sind trostbedürftig, gerade im Umfeld von Sterben und Trauer. Immer wieder werden wir als HumanistInnen gefragt: Was macht ihr denn dann – habt ihr den Menschen überhaupt etwas als Alternative anzubieten? Dahinter verbirgt sich die Unterstellung, dass ein Nicht-Glauben an Jesus oder Gott ein Problem darstelle, ein Defizit wäre. Allen Angehörigen unseres Kulturkreises ist das dermaßen eingeimpft, dass sich zumindest im Angesicht des Todes ein Rechtfertigungsmodus aufdrängt beziehungsweise zunächst mal – auch von uns selbst – auf Religiöses als Ausgangspunkt Bezug genommen wird. So hieß auch im April dieses Jahres der Titel einer Tagung der Humanistischen Akademie in Berlin „Kein Gott, kein Trost?“, als wenn wir hier in einer Defensive wären. Meiner Überzeugung nach ist das unsinnig und hätten sich erst mal die zu erklären, die noch ernsthaft behaupten, der feste Glaube an Unsterblichkeit könnte heute noch Trost spenden. Im Übrigen war der psychologische Preis für die vormoderne Vorstellung, eine Aussicht auf ein besseres Leben im Jenseits zu haben – sofern nicht Fegefeuer oder ewige Hölle drohten – extrem hoch: Große Unruhe und Angst das ganze Leben hindurch – und erst recht im Angesicht des Todes – bei der Frage, in welcher Weise Gott einen jeden zur Rechenschaft ziehen würde.

Es gibt durchaus ein Defizit beim (post)modernen Menschen, auf welches die Religiösen ja so gern zu ihrer eigenen Existenzberechtigung verweisen. Das ausschließliche Streben nach Glück und Erfolg um jeden Preis, verbunden mit der Angst, am Ende nur noch ins undenkbare Nichts zu fallen. Dem setzen wir als HumanistI*innen entgegen: Ein sinnerfülltes Leben ist eines in Beziehung – vor allem zu Menschen, aber auch zu Dingen, Tieren, Aufgaben, Natur, Kultur. Und: Krisen, Abschiede und Neubeginn gehören zur gesamten Bandbreite eines gelungenen Lebens dazu – eine Aufgabe wäre, Vernunft und Gefühl, Selbstbehauptung und Hingabe auszubalancieren und sich um übrigen häufiger der Mittel des Humors und der Gelassenheit zu bedienen. Wenn wir das positiv als unsere Anschauung verinnerlichen, müssen wir gar nicht mehr ausdrücklich darauf hinweisen, keine Bibel und kein Glaubensdogma zu benötigen und „ohne Gott genauso gut oder besser zu sein“. Gefragt ist also: Unser humanistisches Selbstbewusstsein und die Vorstellung, uns stets abgrenzen oder rechtfertigen zu müssen, einfach hinter uns zu lassen.

Gita Neumann,
Aurich, den 15. Juni 2019

Humanisten beim „Fest der Kulturen“ in Leer

Das 17. Fest der Kulturen wurde am 2. September 2017 in Leer gefeiert. Tausende Menschen feierten das friedliche Zusammenleben der Kulturen mit Live-Musik, Tanz und kulinarischen Köstlichkeiten aus aller Herren Länder. Neben dem bunten kulturellen Programm, das auf einer Bühne und zwischen den Pavillons stattfand, waren auch INFO-Stände aufgebaut (u.a. Amnesty, DRK, Ev. Kirche) Auch wir Humanisten Ostfrieslands haben einen INFO-Stand betrieben und auf diese Weise die kulturelle Vielfalt des Festes der Kulturen durch humanistische Aspekte bereichert.

Fest der Kuturen in Leer

Der Lohn unseres Engagements war: es gab eine ordentliche Resonanz, einige Gesprächspartner zeigten deutliches Interesse an unseren inhaltlichen Zielen und Aktivitäten und trugen sich in bereitgestellte Listen für den Erhalt von newslettern und unserer Verbandszeitschrift „Humanismus leben“ ein.

Jedem Interessierten gaben wir eine Übersicht der aktuellen Aktivitäten und Angebote des Kreisverbandes Ostfriesland und Weser-Ems mit. Über unser ambitioniertes Programm waren alle positiv überrascht. Bemerkenswert ist, dass einige Gesprächspartner an unserem Stand das erste Mal mit dem HVD in Kontakt kamen und von unseren Aktivitäten „vor Ort“ bisher noch nichts erfahren haben. Ihnen Allen konnten wir mit Freude mitteilen, dass wir Humanisten Ostfrieslands vor einigen Monaten eine Kontaktstelle des HVN Ostfriesland in Leer eröffnet haben. Wir konnten zudem darauf verweisen, dass wir in der von unserem INFO-Stand gerade mal 50 m entfernten Altstadt-Bücherei/Kultur-Cafe Taraxacum monatlich einen Humanistischen Gesprächskreis veranstalten.

Die engagierten Humanisten, die an diesem Tag mit Freude einen anstrengenden aber auch erfolgreichen JOB gemacht haben, wollen zukünftig weitere INFO-Stände gestalten – bis hierhin und weiter...

Humanisten in Leer

Zur Eröffnung seiner Kontaktstelle in Leer veranstaltete der Humanistische Kreisverband Ostfriesland ein erstes Humanistisches Forum zum Thema „Gesunder Menschenverstand? Warum wir nicht so selbstbestimmt handeln, wie wir meinen.“

Humanistisches Forum in Leer am 27. Oktober 2016

Auftaktveranstaltung im Taraxacum voller Erfolg

Selbstbestimmung ist für Humanisten ein zentraler Wert, ebenso wie die Betonung der Wissenschaften als bestmögliche Methode der Erkenntnisgewinnung über die Welt und uns Menschen. Inwieweit sind wir Menschen wirklich „Herr im eigenen Haus“? Durch die Behandlung dieser Frage wurde deutlich, dass Humanisten immer bereit sind, ihre eigenen Haltungen immer wieder auch kritisch zu hinterfragen statt sich einem dogmatischen Wunschdenken hinzugeben.

Gut 50 Gäste sind am Donnerstag den 27. Oktober 2016 der Einladung ins Kulturcafé Taraxacum gefolgt, um sich mit Fragen wie den Folgenden auseinanderzusetzen: Warum handeln wir manchmal so, wie wir es eigentlich gar nicht wollten? Was beeinflusst unser Wollen und Handeln? Gibt es Einwirkungen, die uns nicht bewusstwerden? Woher kommen und wie funktionieren diese Beeinflussungen?

Solche Fragen lassen sich allein durch philosophisches Nachdenken nicht entscheiden. Daher präsentierte der Referent, der pensionierte Werte und Normen-, Philosophie- und Mathematiklehrer Peter Reichl, einen ausführlichen und dennoch verständlichen Überblick entsprechender Erkenntnisse aus den Wissenschaften. So konnten Sozialpsychologen zeigen, wie unterschiedliche Situationen die Wahrscheinlichkeit beispielsweise des Hilfeverhaltens oder der erfolgreichen Umsetzung von Neujahrsvorsätzen verändern.

Neurowissenschaftlich lasse sich dies damit erklären, dass die evolutionsgeschichtlich älteren und neueren Teile des menschlichen Gehirns je nach Situation unterschiedlich angesprochen werden: der ältere, innere Kern, der für schnelle, intuitive und gefühlsmäßig bestimmte Handlungen verantwortlich ist, und dem neueren, der planvolles, auf in Möglichkeiten denkendes Probehandeln ermöglicht. Dies zu erkennen ermögliche uns, die Situationen möglichst so zu gestalten, dass wünschenswertes Verhalten wahrscheinlicher und verwerfliches unwahrscheinlicher wird.

Für unseren Alltag zeigte der Referent es eine Reihe bewährter Techniken auf, sich vor impulsiven, also kurzfristig motivierten Handlungen („Versuchungen“) vorausschauend zu wappnen. Im Anschluss nutzten die Anwesenden Zuhörer die Gelegenheit zu einer angeregten Diskussion.

Dieses erste Humanistische Forum in Leer bildete den Auftakt zu regelmäßigen Aktivitäten der neu eingerichteten Kontaktstelle Leer der ostfriesischen Humanisten. Viele der Gäste zeigten sich interessiert an weiteren Veranstaltungen in Leer teilzunehmen.

Die neue Kontaktstelle solle die Entwicklung der praktischen Arbeit in der Region fördern und Interessierten vor Ort einen Anlaufpunkt bieten. „Wir werden regelmäßige humanistische Foren und Gesprächskreise etablieren, um mehr Leeranern und Menschen aus der Region Ostfriesland einen Raum zu bieten, wo sie mit Gleichgesinnten in Kontakt kommen und diskutieren können“, ergänzt Herbert Zinnow, Vorsitzender des Kreisverbandes Ostfriesland. „Unser Anspruch ist es, zu einem festen Ansprechpartner für nichtreligiöse Menschen, aber auch die allgemeine Öffentlichkeit und die Kommunalpolitik zu werden.“ (Termine und Informationen zu weiteren Veranstaltungen finden Sie hier...)

Die Kontaktstelle Leer im Humanistischen Kreisverband Ostfriesland, ist unter ostfriesland@humanisten.de und unter der Rufnummer 04931 99 21 24 zu erreichen.