„Es bleibt dabei: Totenasche darf nicht verstreut werden“

Stellungnahme des Humanistischen Verbandes Niedersachsen K. d. ö. R.  zu einem Artikel der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom 6. Juli 2017 mit dem Titel: „Totenasche darf weiterhin nicht verstreut werden

Mit über 1000 Bestattungen für religionsfreie Menschen pro Jahr, ist der Humanistische Verband der größte Anbieter von weltlichen Trauerfeiern in Niedersachsen.

Rund 1/3 der Niedersachsen sind nicht Mitglied in einer evangelischen oder katholischen Kirche. In Hannover sind es sogar 51%, die keiner Religion mehr angehören. Aus den Gesprächen mit den Angehörigen der Verstorbenen erhalten wir mehr und mehr Rückmeldungen über Wünsche nach besonderen, alternativen Bestattungsformen wie zum Beispiel Urnenbestattungen in einem Waldgebiet, die sich immer größerer Beliebtheit erfreuen. Das Verstreuen der Asche ist ebenso ein oft gewünschtes Ritual. Insofern begrüßte der Humanistische Verband den Ansatz der Sozialministerin für eine Liberalisierung des Bestattungsrechtes.

Dass hier offenbar nur die Kirchen um eine Stellungnahme gebeten wurden, ist unverständlich. Wie oben bereits erwähnt, fühlt sich ein nicht unerheblicher Teil der Bevölkerung nicht mehr von den Kirchen vertreten. Umso mehr erstaunt hier der moralische-ethische Alleinvertretungsanspruch, wenn es um die Beurteilung der Totenruhe und einem würdevollen Umgang mit den sterblichen Resten eines Menschen geht. Es gibt sehr viele Religionen und Kulturen, die völlig anders mit ihren Toten umgehen. Zum Beispiel öffentliche Verbrennungen, ohne dass hier jemand die Würde bezweifelt. Der würdige Umgang mit einem Angehörigen der verstorben ist, ergibt sich aus dem, was die Angehörigen gegenüber ihrem Verstorbenen als würdig empfinden und nicht aus dem was die Kirche für angemessen hält – zumindest gilt dies für Nicht-Kirchenmitglieder.  Und was bitte geht es die Kirchen an, wenn ich aus der Asche meines Mannes oder meiner Frau einen Diamant erstelle?

Es ist auch nicht nachvollziehbar, warum auf einem ordnungsgemäß eingerichteten Urnenfeld nicht ein spezieller Platz zur Verfügung gestellt werden kann, an dem die Asche verstreut wird – wenn Angehörige und der Verstorbene es doch wünschten.

Im Übrigen wird die Asche eines Verstorbenen im Krematorium dahingehend gefiltert, dass Rückstände aus künstlichen Hüften oder ähnlichem nach der Verbrennung nicht  Bestandteil der Asche sind. Die Asche ist also nicht mehr oder weniger schadstoffhaltig als Rückstände anderer Verbrennungen zum Beispiel im Garten. Ähnlich wie bei der – nun endlich gleichgestellten – gleichgeschlechtlichen Ehe hinken auch hier Politik und natürlich die Kirchen, der Realität unseres Alltages und der Auffassung der meisten aufgeschlossenen und aufgeklärten Menschen im Jahr 2017 weit hinterher.

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