Vorschnelle Festlegung auf Reformationstag

Der Humanistische Verband bedauert in seiner Stellungnahme gegenüber dem niedersächsischen Innenministerium vom 11. April die vorschnelle Festlegung auf den Reformationstag und spricht sich für die Findung eines weltlichen Feiertags aus, der allen Bevölkerungsgruppen etwas bedeutet und zur Reflexion geteilter Wertegrundlagen einlädt. Die Landesregierung hat die Gelegenheit verpasst, einen ergebnisoffenen und konstruktiven Dialog mit allen gesellschaftlichen und weltanschaulichen Gruppen aufzunehmen und grenzt insbesondere Nichtreligiöse aus, die immerhin etwa ein Drittel der Bevölkerung stellen. Die vollständige Stellungnahme steht hier zum Download bereit.

HVN Geschäftsführer Jürgen Steinecke im NDR am 6. März 2018

Landesgeschäftsführer Jürgen Steinecke nahm am 6. März im NDR Fernsehen Stellung. Der Beitrag ist auf den Seiten des NDR nachzusehen: www.ndr.de/fernsehen/sendungen/hallo_niedersachsen/Reformationstag-soll-neuer-Feiertag-werden,hallonds42942.html.
Oder auf youtube: www.youtu.be/c_phHEaraIM.

Vertane Chance des Wertedialogs

Die vorschnelle Festlegung auf den 31. Oktober ist nicht nur eine Missachtung des Parlaments, sondern auch eine vertane Chance. Gerade beginnt sich ein Dialog zu entwickeln über die gemeinsamen Wertegrundlagen unserer pluralistischen Gesellschaft. Diese Chance angesichts zunehmender Polarisierung und Fundamentalisierung ungenutzt zu lassen ist kurzsichtig und nachlässig.

Stattdessen sehen wir eine hastige Festlegung auf einen kirchlichen Feiertag, der für die Spaltung der Konfessionen steht und den großen Anteil der Menschen ausgrenzt, die sich nicht an religiösen Dogmen orientieren.

Reformationstag ist kein Tag der Aufklärung

Der 31. Oktober steht für den Thesenanschlag in Wittenberg und ist damit untrennbar mit Martin Luther verbunden. Luther war Re-Formator. Er wollte zurück zum „wahren Glauben“, nicht nach vorn in unsere aufgeklärte, pluralistische Gesellschaft. Er wollte los von Rom – aber mit den Fürsten.

Luther war nicht nur glühender Judenhasser, er wütete auch heftig gegen den Humanismus seiner Zeit, die Philosophie und die Wissenschaft; die Vernunft bezeichnete er als Hure des Teufels.

So steht Luther für das Gegenteil der Werte, die unsere Gesellschaft heute ausmachen: Religionsfreiheit, Toleranz, Demokratie und Menschenrechte.

Ungleichheit bleibt bestehen

Die Einführung des neuen Feiertags wird mit der geringeren Anzahl gesetzlicher Feiertage in Norddeutschland im Vergleich zum Süden begründet. Sollte dies ernst gemeint sein und sich nicht um ein bloßes Wahlgeschenk handeln, bleibt weiterhin Handlungsbedarf. Und das nicht nur, weil die Süddeutschen weiterhin mehr Feiertage haben als wir im Norden.

Mit dem neuen Feiertag sind in Niedersachsen dann sieben von zehn Feiertagen kirchlich. Dieses Ungleichgewicht und damit die Ausgrenzung von nichtreligiösen Menschen wird also noch verstärkt!

Diskussion noch nicht beendet

Wir werden uns auch nach der Einführung eines kirchlichen Feiertags für einen zusätzlichen weltlichen Feiertag für alle einsetzen. In die hoffentlich breit geführte Diskussion werden wir erneut unseren Vorschlag einbringen: Einen Tag der Menschenrechte.

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